Marc

 

Glossar der Gegenwart

Die Reform

“(Lat. für re zurück; formatio: Gestaltung, Wiederherstellung) bezeichnet in der Politik eine größere, planvolle und gewaltlose Umgestaltung bestehender Verhältnisse und Systeme. Das Wort erscheint schon in den Paulus-Briefen der Bibel, später auch in dem Zusammenhang mit der kirchlichen evangelischen Reformation zur Zeit Martin Luthers” (Wikipedia).

“Damals (anfangs unter Mitterand in Frankreich, M.S.) fanden tatsächlich einige Reformen statt, die noch dem ursprünglichen Sinn des ‘Reform’begriffs entsprachen (also eine Verbesserung der Lebensverhältnis anstrebten). Und nicht dem später vom Neoliberalismus verdrehten und verfälschten Sinngehalt, durch den ‘Reform’ zum Synonym für soziale Einschnitte und Rückschritte geworden ist” (Telepolis).

s.a. “Reformgesellschaft“.

 

Gabriele Goettle im Gespräch mit Hilde Schramm: Kontaminiertes Geld.

Bernhard Fetz über Rilkes Cornet: Mit Feder und Schwert.

Robert Crumbs City of the Future.

Almost Alice by Maggie Taylor.

Eberhard Ortland: Die Schlüsselrolle der Kunst für das Urheberrecht.

ORWO-Kalender 1987 (via Scanzen).

Paul Krugman: Those Revolting Europeans (via Nachdenkseiten).

 

Benjamin Kunkel: Forgive us our debts.

Paul Krugman: How to End this Depression.

Immanuel Wallerstein: Die große Depression.

Immanuel Wallerstein: Die Grenzen des Kapitalismus (Kontext TV):

 

Sex + Ehe = Kind. Der Historiker Simon Teuscher im Interview über unsere Wahrnehmungsstörungen in Sachen Sex, Partnerschaft und Kindererziehung.

Literarische Tattoos.

Guy Fawkes Maskology (via Netzpolitik.org).

 

Rezension von Christoph Schröder: André Kubiczek – Der Genosse, die Prinzessin und ihr lieber Herr Sohn. André Kubiczek ist am 06.06. auch zu Gast im Blauen Affen.

Yekaterienburg Birds Eye Views (English Russia)

Das Blog ist tot, es lebe der Blog im Sprachlog.

Das (tja, oder der, s.o.) Rhetorik-Blog über Gauck und Moglen.

 
Lipatovs Claudia

Alexey Lipatov via Dieselpunk

 

Nächsten Donnerstag, 10.05.2012, liest der Kulturwissenschaftler Olaf Briese aus seinem Buch “Steinzeit. Mauern in Berlin” im Blauen Affen.

Kann ich nur empfehlen, hier meine Buchrezension:

Ein Buch wie ein Baustein, ein Geschenk. Es liegt gut in der Hand und sieht gut aus. Der Verlag Matthes & Seitz, in dem Olaf Brieses „Steinzeit“ erschienen ist, leistet sich mit dem Künstler Falk Nordmann seit Jahren einen ungewöhnlichen Illustrator. In Zeiten, in denen Verlage in Gestaltungsfragen auf Plakatives oder Verzicht setzen, muss das unbedingt erwähnt werden.

Auch inhaltlich ist „Steinzeit“ außergewöhnlich. Bei „Mauern in Berlin“ im Untertitel denkt jeder pflichtschuldig an den Eisernen Vorhang und meint alles zu wissen. Doch man findet eine Kulturgeschichte, die so reich, gut geschrieben und aufregend ist, dass man jede Wand, jeden Ziegelstein, jede Grenze mit neuen, faszinierten Augen ansieht. Und das in Deutschland, denkt man überrascht, in dem Wissenschaftler angeblich nicht schreiben können, ohne sich die Hand zu verstauchen.

„Steinzeit“ ist eine Kulturgeschichte von Mauern, für die Berlin der Ausgangspunkt ist. Geschildert werden Formen räumlicher Grenzziehungen, die die politischen, sozialen und kulturellen Felder hervorbringen. Mauern und Grenzen, so wird schnell klar, schützen ebenso wie sie unterwerfen. Wortwörtlich sind sie für Bewohner und Reisende ein harter Sachzwang. Nicht nur 1961 schuf er auf brutalste Weise Tatsachen, wie die absolutistische Akzisemauer zum Steuereintreiben und Desertionsschutz eindringlich belegt. Das Volk jedoch versucht, wo immer es geht, dies zu unterlaufen. Häufig ist es so, dass der Demonstration von Macht die Ohnmacht auf dem Fuße folgt. Wenn etwas an Geschichte versöhnlich ist, dann ist es diese Ironie. Es ist verdienstvoll, dass Briese das deutlich herausstellt.

Dem Doppelgesicht aus Kultivierung und Disziplinierung, Produktivität und Versagen geht das Buch in vielen Verästelungen nach. Von ihr bezieht es seinen Ton. Das Spektrum reicht von den Gräbern der Steinzeit, über Stadt-, Garten-, Friedhofs- und Festungsmauern bis hin zur Berliner Mauer. Behandelt werden Dämme und Wälle, ebenso wie Seuchenkordons und Barrikaden, aber auch Ghetto-, Gefängnis- und Fabrikmauern.

Textlich ist „Steinzeit“ ein Wagnis. Briese bindet Persönliches, Fiktionales und Literarisches wie Franz Kafkas chinesische Mauer in den Fortgang ein und leistet sich eine erhellende Subjektivität, sodass man sicher sein kann, dass ihm das viele Kollegen nie verzeihen werden. Brieses einfache Frage, warum wohl die Quadriga des Brandenburger Tores mit ihrer Siegesgöttin in die Stadt hinein- und nicht herausreitet, wirkt auf den ersten Blick respektlos gegenüber der Bedeutungshuberei der Historiographie. Doch wie auch sonst ist die Analyse geschichtlich solide abgesichert. Man wundert sich, warum die vielen, überaus aufschlussreichen Details, die Briese ausgegraben hat, solange übersehen worden sind. Im Ergebnis wirkt dies, als hätte Briese für sein Buch die Kulturgeschichte neu erfinden müssen, so frisch, unverbraucht und souverän kommt es da her.

„Steinzeit“ ist auch ein Buch zur Berliner Geschichte und eine empfehlenswerte Einführung. Briese, der nicht in Berlin geboren wurde, aber seit langem ein Berliner ist, hat ein durch und durch berlinisches Buch geschrieben. Ton, Witz, Bodenständigkeit und Respektlosigkeit gegenüber Autoritäten liefern ein Beispiel bester Berliner Mentalität, die von Nicht-Berlinern häufig missverstanden wird. Briese, der Wahlberliner, hat Berlin besser verstanden, als manche, die in Berlin geboren wurden oder sich für Berliner halten.

*

Wie immer in der Staatsgalerie Prenzlauer Berg, Greifswalder Str. 218, 10405 Berlin, 20.00 Uhr.

 

Der Europäische Gerichtshof zum Urheberrecht bei Computerprogrammfunktionen: Er stellt fest, dass weder die Funktionalität eines Computerprogramms, noch die verwendete Programmiersprache selbst unter den Schutz des Urheberrechts fallen, anders als etwa der Quell- oder Objektcode. Hier das Urteil im Text.

Interview mit James K. Galbraith, Teil 3.

 

Interview von Jens Berger und Roger Strassburg mit James K. Galbraith, Teil 2.

Environmental Graffiti. The Salt Mines Below Sicily (via Neatorama).

Rocket to the Stars at 1939 (via Paleofuture).

Des sculptures de monstres (via La boite verte).

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Sarah Bernhardt, ca. 1864

Sarah Bernhardt, ca. 1864

Porträts von Felix Nadar (via La boite verte).

 

Sunil Manghani: Anonymous. Das Dilemma der Maske.

Stephen King fordert Steuererhöhung für die oberen 10.000, Tax Me, for F@%&’s Sake:

“Last year during the Occupy movement, the conservatives who oppose tax equality saw the first real ripples of discontent. Their response was either Marie Antoinette (‘Let them eat cake’) or Ebenezer Scrooge (‘Are there no prisons? Are there no workhouses?’). Short-sighted, gentlemen. Very short-sighted. If this situation isn’t fairly addressed, last year’s protests will just be the beginning. Scrooge changed his tune after the ghosts visited him. Marie Antoinette, on the other hand, lost her head.”

Ja, die Geister. Er ist sicher nicht der einzige, der an Marie Antoinette denken muss, wenn er die realen Zahlen sieht. Hier die deutsche Zusammenfassung.

Sieht eigentlich gar nicht schlecht aus, die New Yorker Stadtbibliothek. Auch hier gibt’s Ärger.

 

Ein kurzer Hinweis auf das Haus der Statistik am Alexanderplatz in Berlin, das vermutlich bald verschwinden wird. Ob es unter Denkmalschutz steht, weiß ich nicht, bezweifle ich aber. Die Farbe ist natürlich verbraucht. Eigentlich ist es gute 70er-Jahre-Architektur, das Lochkartenornament an der Fassade originell und unserem IT-Zeitalter gewissermaßen historisch angemessen, die für diese Zeit typische Inneneinrichtung ist sorgfältig, besitzt mit hellen hölzernen Türen und Türrahmen ein leichtes Design usw., das jedenfalls nicht schlechter ist als die Standard-Büroausstattung heute. Eigentlich schade drum. In meinem Roman “Zur Letzten Instanz” taucht das Haus der Statistik auch kurz auf. Hier ein paar Fotos.

Lochkartenfassade am Haus der Statistik, Berlin

Lochkartenfassade am Haus der Statistik, Berlin

 Foto: Mick Willems.

 

Haus der Statistik, 1970

Haus der Statistik, 1970

Foto: Zentralbild Kutscher 17.6.70, Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Bild 183-J0617-0012-001 (CC-BY-SA).

 
Lochkartenstanzerin, ca. 1950

Lochkartenstanzerin, ca. 1950

(U.S. National Archive) (via Glaserei)

 

Ausstellung “Friederisiko” der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten über Friedrich II., 28.04.-28.10.2012, Potsdam, Neues Palais und Park Sanssouci.

Maupertuis, Präsident der Akademie der Wissenschaften Berlin

Maupertuis, Präsident der Akademie der Wissenschaften Berlin

Bild: SPSG, Foto: Jörg P. Anders,

Sicher nicht der Gipfel der Kunstgeschichte, dennoch: Maupertuis, Gemälde von Robert Levac-Tourniés (1737/40)

 

Christopher Clark: Friedrich II.

Anschlussverwendung” und “Betreuungsgeld“, neue Einträge bei Neusprech.org. Das Online-Newspeak-Lexikon wächst.

Alles Lehmann, oder was?, in den Blättern für deutsche und internationale Politik.

Immer wieder gut: Alexander Dill. Hier sein Rettungsvorschlag für die Deutsche Bahn.

Rechnen gegen den Terror. Der Statistiker Emil Gumbel.

 

 

Wirklich ärgerlich: Der formbewussteste unter den deutschen Regisseuren und eine Seltenheit in der deutschen Filmbranche, Christian Petzold, wurde beim Deutschen Filmpreis, nun ja, an den Katzentisch verbannt. Treffend die Polemik von Peter Körte: “Ein Fall von Unzurechnungsfähigkeit“. “Haltungsloses Niemandsland”, “Ausdruck eines kleinbürgerlichen Mittelgeschmacks”, sagt Anke Leweke.

Hier ein Interview mit Christian Petzold über Arbeit.

Neal Ascherson in Le Monde Diplomatique über das mögliche Glück Europas mit einem lesenwerten Essay, funkelnden Zitaten von Alexander Herzen, von dem Enzensberger vor Jahren einen Band herausgegeben hat. Schön die Bemerkung über Großbritannien, der man nur zustimmen kann: “Und was wird mit Großbritannien? Über den Rückzug der Briten ist die gesamte – oder sagen wir fast die gesamte – EU traurig. Aber mir scheint, dass die Union und die Eurozone heute ohne Großbritannien besser dran sein würden. Stattdessen brauchen sie ein anderes Partnerland, nämlich England. Das kleine Schottland würde sich auch allein in die EU und eine reformierte Währungsunion einfügen. England dagegen wird erst dann an der Gestaltung Europas selbstbewusst mitwirken können, wenn es seine großbritischen Ansprüche, seine archaische Auffassung von Souveränität und seine Illusionen über eine “special relationship” zu den USA aufgegeben hat ” (Hervorhebung von mir).

 

Justus Lipsius, Titelkupfer der Politicorum sive civilis doctrinae libri sex, Wien MDCCLI

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