Kleiner Sprung nach Dessau ff.: Wörlitzer Park, in der Regel besucht von Familien mit Kindern, Rentnern und mehr oder weniger internationalen Reisegruppen. Ich bete jetzt nicht herunter, was sich gehört, ein Höhepunkt des Landschaftsdesigns, ein Schmuckstück der Aufklärung usw. usf. Kann man alles nachlesen. Was auffällt, ist das serielle Gestaltungsprinzip, die theatralische wie eklektische Inszenierung von Natur

Wörlitzer Park

Wörlitzer Park

Bild: Katrin Perl (CC BY-SA 3.0)

und Kultur- und Kunstgeschichte.

Wörlitzer Park - Felseninsel Stein und Villa Hamilton

Wörlitzer Park - Felseninsel Stein und Villa Hamilton

Bild: Matthias Seiffert (gemeinfrei)

Es finden sich ein paar schöne Details, ein mit gelben Lilien bestandenes Auenufer, vorteilhafterweise ungemähte Frühlingswiesen

Wörlitzer Park - Frühlingswiese

Wörlitzer Park - Frühlingswiese

und Raseneisensteine, die als Baumaterial der Grotten und Wegbefestigung dienen.

Raseneisenstein

Raseneisenstein

Raseneisensteine lieferten das Eisen, aus denen die Germanen sich ihre Schwerter schmiedeten.

Was allerdings unangenehm auffällt, ist – keine Wörlitzer Spezialität, sondern gesamtdeutsch-multimediale Normalität – der kommerzielle Historismus, Spezialstrecke Adelsphantasien. Andererseits wird der wie Pferdebockwurst wegkonsumiert und gut.

 
Sommervilla des Malers Max Liebermann am Wannsee
Sommervilla des Malers Max Liebermann am Wannsee

Am reizvollsten in Haus und Garten der Liebermann-Villa am Wannsee ist diese kleine Tschechow-Phantasie, ein birkengesäumter Gartenweg am Rand des Gartens. Selbst die Gänseblümchen haben sich verabredet, das Bild farblich stimmig zu machen. “Nach Moskau”, könnte man ein Schild danebenstellen. Momentan ist eine Nolde-Liebermann-Gartenmalerei-Ausstellung zu sehen, in der immerhin überraschend ist, dass die spätimpressionistische, französisch inspirierte Malerei Liebermanns – vor allem die Pastelle und einige der Blumenbilder – haltbarer ist als der etwas ermüdende und letztlich doch phantasielose Expressionismus Noldes. Nolde ist überschätzt.

 

Buchprojekt

Die erste deutsche Übersetzung der Aufsatzsammlung “Form und Funktion” von Horatio Greenough sucht Unterstützer. Es geht darum, mittels Crowdfunding die Druckkosten aufzutreiben. Das Werk ist übersetzt und wartet auf Publikation. Herausgegeben wird es von Arne Winkelmann.

Veröffentlichung der Übersetzung der Aufsatzsammlung “Form und Funktion” von Horatio Greenough als Taschenbuch

“Wer ist eigentlich Horatio Greenough? Mit dieser Frage würde man wohl auch versierte Kunsthistoriker in Verlegenheit bringen, denn er ist hierzulande reichlich unbekannt. Greenough ist der ‘erste amerikanische Bildhauer’ – also der erste in Amerika geborene Künstler seiner Disziplin. Allerdings sind seine Skulpturen für die Kunstgeschichte vielleicht nicht soooo wichtig als seine architekturtheoretischen Texte. Er hat Mitte des 19. Jahrhunderts – also mehrere Jahrzehnte vor Sullivan, Mies van der Rohe und Le Corbusier! – das Verhältnis von Form und Funktion in der Architektur thematisiert. Seine Aufsatzsammlung aus seinen beiden letzten Lebensjahren stellt also den ersten Beitrag zum Funktionalismusdiskurs dar. ‘Form and Function’ ist bisher nur auf Englisch erschienen und selbstverständlich längst vergriffen. Mit einer Übersetzung ins Deutsche und einem ausführlichem Anhang zu Leben und Werk, mit Kommentaren zu seinen Aufsätzen und einem Abbildungsteil soll Greenoughs geistreicher Text nun auch im deutschen Sprachraum zugänglich gemacht werden.”

Hier geht’s zur Spenden-Plattform.

 

Bild: Thomas Wolf (http://www.foto-tw.de/)

 

Jan Tschichold: Meisterbuch der Schrift

Ein Klassiker der Typographie, eine Sammlung schöner Schriften von der Antike bis heute. Nebenbei eine Kurzgeschichte der Schrift und Schriftkunst, außerdem kluge Bemerkungen über das ß und &, incl. Hermann Hesse über Bodoni. Tschichold hat einen schönen Band Barock-Liebesgedichte gestaltet, interessierte sich für japanische Farbholzschnitte und ostasiatische Kalligraphie.

Meisterbuch der Schrift

 

Zum verwandten Thema Software-Ästhetik gab’s hier schon 2 Meldungen, deswegen der Hinweis auf einen Vortrag von Peter Deuflhard in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften zur “Eleganz mathematischer Algorithmen” aus dem Jahr 2008. Deuflhard arbeitet am Konrad-Zuse-Zentrum der Technischen Universität Berlin.

 

wie sie Programmierer sehen, in DLF Computer und Kommunikation (podcast).

 

Lagerfeuerasche

Lagerfeuerasche

Bild: Walter Siegmund (CC BY-SA 3.0)

Asche ist der Ursprung des chinesischen Schriftzeichens für grau: 灰, huī. Es steht auch für Staub, Kalk und niedergeschlagen. Gebildet wird grau aus dem Piktogramm für Feuer, 火, huǒ, und dem für die rechte Hand, 又, yòu. 火 ist, wie man unschwer erkennt, einem nach oben züngelnden Feuer nachgebildet. 灰, huī ist ‘Feu­er, das mit der Hand berührt werden kann’, Asche eben.

 
Holzkohle

Holzkohle

Bild: Ischaramoochie/en.wikipedia (CC BY-SA 3.0)

 
Charbon de bois rouge

Charbon de bois rouge

Bild: Romary (CC BY-SA 3.0)

 
Schiefer

Schiefer

Bild: Der Messer (CC BY 3.0)

 
Flieder

Flieder

Bild: Magnus Manske (CC BY-SA 3.0)

 

Drachen, Schlangen und Elefanten aus dem Kodex Sloane 4016 der British Library. Via Bibliodyssey.

 
Balsamine

Balsamine

Bild: ArtMechanic (CC BY-SA 3.0)

 

Gerade gelesen: Rafik Schami über arabische Schrift und Kalligraphie. Nur ein paar Seiten, absolut lesenswert. (Was ich schaffe, überdauert die Zeit. Eine Geschichte von der Schönheit der Schrift erzählt von Rafik Schami. Mit fünf farbigen Kalligraphien von Ismat Amiralai. München: Hanser, 2008).

 
Hortensie

Hortensie

Bild: Vonundzu (CC BY-SA 3.0)

 
Nelke

Nelke

Bild (gemeinfrei): Karthäusernelke

Aus: Johann Georg Sturm: Deutschlands Flora in Abbildungen nach der Natur mit Beschreibungen (1796-1862) mit 2 472 Illustrationen zu Texten von Johann Christian Daniel von Schreber, David Heinrich Hoppe, Heinrich Gottlieb Ludwig Reichenbach und anderen.

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